Dezember auf einem Weihnachtsmarkt – für viele ist das Routine. Für Fotografen ist es eine Herausforderung. Wie erzählt man Geschichten in einer Umgebung, die selbst bereits eine Geschichte ist? Wie nutzt man die vorhandenen Lichter authentisch, ohne sie zu zerstören?

Die Ausgangssituation
Die Wettervorhersage für die nächsten Tage war vielversprechend. 
Ich entschied mich, spontan eine Ausschreibung für ein Abend-Shooting auf den Kölner Weihnachtsmärkten im Interent zu veröffentlichen. Meli antwortete prompt. Wir kannten uns nicht, aber die Chemie stimmte sofort.
Das Konzept war bewusst offen: Keine vorgegebene Pose-Liste, keine
starre Planung. Nur eine zentrale Idee – die Weihnachtsstimmung einfangen, wie sie wirklich ist. Nicht inszeniert, sondern gelebt.
Technische Herangehensweise
Die größte Herausforderung bei Nacht-Shootings auf Märkten ist die Lichtsituation. Man hat einerseits viele Lichtquellen – Lichterketten, Standbeleuchung, bunte Dekoration-Lichter. Andererseits sind diese Lichter oft unregelmäßig verteilt, und die Gesamthelligkeit bleibt niedrig.
Mein Ansatz: Die Lichter nutzen, nicht gegen sie fotografieren.
Das bedeutete konkret: Sony A7RV, Tamron 35-150mm f/2.0-2.8, dynamische ISO-Regelung mit 6400er Obergrenze. Diese Kombination erlaubte mir, flexibel auf die Lichtsituationen zu reagieren, ohne in extreme ISO-Werte gehen zu müssen. Die offene Blende ab f/2.0 war essentiell – jeder halbe Blendenstopp zählt bei solch niedriger Umgebungshelligkeit.
Der entfesselte Blitz (HD2-Max mit TR-Q8) war bewusst als Fallback angedacht. Er kam nur zum Einsatz, wenn wirklich keine Alternative mehr bestand. In den meisten Situationen reichte das Available Light aus – und das war gewünscht.

Spontanität als Konzept
Die besten Momente entstanden nicht durch geplante Posen, sondern durch Aufmerksamkeit für das, was sich anbot.
Der TimeRide-Bus war so ein Moment. Ich sah die Möglichkeit, fragte die Verantwortlichen, und sie stimmten zu. Meli im Bus, von außen fotografiert – der Kontrast zwischen ihrer warmen Innenbeleuchtung und der dunklen Umgebung ergab eine spannende Bildkomposition.

Ähnlich mit dem Aussteller: Ein altertümliches Outfit, das an einen mittelalterlichen fahrenden Händler oder Alchimisten erinnerte. Die visuelle Story war unmittelbar klar. Ich fragte – er sagte ja. Die natürliche Interaktion zwischen Melanie und ihm brauchte keine Inszenierung.

Die restlichen Szenen folgten diesem Prinzip: Auslagen erkunden, Glühwein trinken, die einfache Fotobox nutzen. Nicht spektakulär, aber authentisch.
Marc Lehmann – www.fotografie-marc-lehmann.de
Weitere Fotos aus dem Weihnachtsmarkt-Shooting:

